Alte Kelter

Wir sind stolze
Besitzer eines mittel-
alterlichen Keltergebäudes aus
dem 14. Jahrhundert (1347).
In diesem Gebäude finden des öfteren ›Veranstaltungen
unterschiedlichster Art statt. |

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Die
Geschichte
Die ehemalige Freie Reichsstadt Esslingen zählt zu
den ältesten Wein-
orten Württembergs. Es ist anzunehmen,
daß schon die Römer den Weinbau ins Neckartal
brachten. Bereits im Jahr 778 wird das Vorkommen von Weingärten
in Esslingen urkundlich erwähnt.
Im 12. Jahrhundert gehört Esslingen zum Besitz der
Staufer und erhält die „Rechte einer Freien Stadt
des Reichs" verliehen. Unter den Staufern ändert
sich die Situation des Weinbaus entscheidend. Bisher wurde
der Wein im Tal angebaut. |

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Ab
etwa 1220 beginnen die Esslinger an der Neckarhalde Terrassen
anzulegen. Dadurch wird die Qualität des Esslinger
Weins gesteigert. Der Rebensaft wird zum wichtigsten Export-
artikel
der Stadt, den man selbst in der Kaiserresidenz Wien schätzt.
Seit 1258 ist das Esslinger Weinmaß - 1 Esslinger
Eimer = 300 Liter - nachgewiesen. Der Esslinger Eimer wird
1557 zum württembergischen Landmaß erhoben. Im
13./14. Jahrhundert erreichte die Esslinger Rebfläche
mit ca. 1200 ha ihr größste Ausdehnung. Davon
sind heute nur noch 85 ha geblieben.
Die Beutauvorstadt, die als letzter Teil
in die ummauerte
Stadt einbezogen wurde, entwickelte sich
zum Viertel der Weinbauern. 1347 wurden Keltern in der Beutau
erstmals urkundlich erwähnt. Kelterhäuser stehen
in direktem Zusammenhang mit dem Weinbau. Das Auspressen
der Weintrauben erfordert eine große Kraft, die schon
in römischer Zeit mit großen Hebelpressen, den
Baum-keltern, erzeugt wurde. Um das wertvolle Gerät
vor der Witterung, aber auch
vor Diebstahl und Zerstörung
zu schützen, wurde es in den Kelterhäusern aufgestellt.
Während der Lese arbeiteten vereidigte Keltermeister
und Kelterknechte in den Keltern. Diese bewachten Tag und
Nacht die Kelterhäuser und wurden ihrerseits von der
Obrigkeit streng kontrolliert. 1685 waren in Esslingen
42 Keltern in Betrieb.
Die ältesten Kelterhäuser
befanden sich in der Beutau,
darunter das Haus Untere Beutau
16.
Entdeckung in der Beutau
In der Unteren Beutau lag in unmittelbarer Nähe zur
Frauen-
kirche ein eigenartiges Gebäude, das von den
umgebenden Weingärtnerhäusern abwich und Planern
und Denkmalpflegern Fragen auferlegte.
Das Gebäude verschloß sich gegen
die Beutau mit einer Mauer aus Bruch- und Hausteinen, die
da und dort unter dem grob aufgeworfenen Putz hervortraten.
Im vorderen Teil des Gebäudes lag ein Hallenraum, der
im hinteren Bereich unter-
kellert war. Man sah auch einen
Futtertrog, der auf eine ehemalige Stallnutzung hinwies.
Doch für eine Scheuer oder einen Stall wäre die
aufwendige, stützenfreie Dachkonstruktion nicht nötig
gewesen.
Es konnte sich hier nur um ein Kelterhaus handeln, das nicht
weit von den Weinbergen, aber noch innerhalb der Stadtmauer
lag. Nachforschungen in verschiedenen Archiven bestätigten
schließlich, daß es sich dabei sogar um das
älteste bekannte Kelterhaus Süddeutschlands handelt.
Straßenführung und Nachbargebäude
zwangen zu einem unregelmäßigen Grundriß
und zu einer asymmetrischen Erschließung. In der eng
bebauten Beutau wurde das Bau-
volumen optimal ausgenutzt
mit Keller, Stall, Kelterhalle und Dachspeicher, der über
ein Zwerchhaus an der Straßenseite beschickt werden
konnte.
Bemerkenswert ist vor allem die Dachkonstruktion.
Die Lasten des Speicherbodens werden mit Hängewerken,
die einen Längsunterzug halten auf die beiden Traufwände
abgetragen. Um auf dem Speicherboden einen bequemeren Durchgang
zu bekommen, sind die Hängepfosten zudem außerhalb
der Mittelachse angeordnet. Diese komplizierte Konstruktion
wird den Anforderungen an die alltägliche Arbeit in
der Kelter
optimal gerecht.
Die Altersbestimmung
Die Datierung eines Gebäudes, an dem wie an der Alten
Kelter immer wieder Umbauten vorgenommen wurden,
ist naturgemäß schwierig. Aufschluß erhoffte
man sich von einer sogenannten dendrologischen Untersuchung.
Dabei werden die bei Holz-
proben vorgefundenen Jahresringe
mit denen bereits unter-
suchter Proben der Region verglichen.
So stellte man bei den meisten Proben ein Fälldatum
des Baums im Winter 1580/81 fest.
Im Jahr 1581 muß also ein größerer
Umbau stattgefunden haben. Lediglich eine Probe aus dem
Nordgiebel wies bis an
den Anfang des 15. Jahrhunderts zurück
und beweist, daß zumindest die Nordwand älter
ist.
Im Sockelbereich befinden sich jedoch Mauerabschnitte, die
auf Grund ihrer Ausführung noch früheren Bauperioden
zugeordnet werden können.
Die Grundmauern gehen sogar
bis auf die Stauferzeit zurück.
Eine wichtige Informationsquelle für
die Geschichte der Kelter ist das Esslinger Häuseranschlagsprotokoll,
das im Jahr 1773/74 von dem Esslinger Handwerker und Feldmesser
Johann Gottlieb Kandier erstellt wurde.
Er verzeichnet das Haus unter der Nummer 105 in der Beutau
mit Artillerie-Hauptmann Faulhaber als Besitzer.
Kandier notiert: „Wegen diesem
Hauß und Scheuer hat Herr Hauptmann Faulhaber mit
der herzoglichen Denkendorfischen Pfleg, deren dieße
beede Grundstücke ehedem zugehörten, einen besonderen
Contract errichtet, davon man diß Orths die aigentliche
Umstände nicht waiß..." Es liegt also
die Vermutung nahe, daß sich die Kelter ursprünglich
im Besitz des Kloster Denkendorf befand.
Um das Jahr 1878 erwarb der Weingärtner
Jonathan Hägele den stets als Scheune bezeichneten
Bau,
in dessen Familie verblieb die Kelter fortan. |
Die
Sanierung
1991 konnte die Weingärtnerfamilie Kusterer, die zur
direkten Verwandtschaft der Familie Hägele gehört,
das zu diesem Zeitpunkt stark verfallene Gebäude erwerben
und im selben Jahr mit der Instandsetzung beginnen. Beim
Ausbau der Kelter legten die Bauherren größten
Wert und Umsicht auf die Ver-
wendung von menschlich und baulich
verträglichem Material. Malerarbeiten wurden daher
nur in Leinölfarbe in Eigenregie ausgeführt.
Die Erneuerung der Kelter in der Unteren Beutau 16 wurde
sachgerecht ausgeführt und entspricht in höchstem
Maße denkmalpflegerischen und stadtgestalterischen
Vorstellungen.
Mit der Familie Kusterer als Weingärtner
entstand die einmalige Chance das historische Gebäude
wieder nahe an seiner ursprünglichen Funktion zu nutzen.
Im Mai 1994 war es dann soweit. Mit Weinproben,
einem Konzert und der Ausstellung „Historische Kelterhäuser
in
Baden-Württemberg" wurde die Alte Kelter eingeweiht.
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